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Planet Schule, SWR

Lange Haare gegen alte Zöpfe

Das Attentat auf Rudi Dutschke beseitigt die letzten Zweifel: Der Konflikt zwischen den Generationen und politischen Lagern hat Dimensionen angenommen, die das Gleichgewicht der Bundesrepublik ins Wanken bringen. Der Staat versucht sich mit Notstandsgesetzen zu helfen, die Gegner sehen ihre Grundrechte beschnitten und setzen die gesellschaftliche Mobilisierung fort. Es herrscht eine Dynamik, die viele Neuerungen mit sich bringt, darunter die Pille - für die einen der Startschuss zur freien Liebe, für die anderen der Untergang des Abendlandes.
Ausführliche Beschreibung:
Der zweite Teil der Filmreihe setzt mit der Reaktion auf die Unruhen 1968 ein - und zeigt die Unbeholfenheit des Staates gegenüber dem sich zuspitzenden Widerstand. Die Notstandsgesetze, die Berichterstattung der Springer-Presse und das Attentat auf Rudi Dutschke hatten den Unmut der 68er-Bewegung zusätzlich angeheizt. Zeitzeugen im Film stehen allerdings der Radikalität der Protestler auch kritisch gegenüber, somit wird jegliche Romantisierung der Ereignisse vermieden.
Neidisch blicken die Studierenden 1968 nach Frankreich, wo ihre Gesinnungsgenossen aktive Unterstützung durch die Arbeiterschaft erhalten. In Deutschland gelingt dieser Zusammenschluss nicht, vielleicht mit ein Grund für die zunehmende Zersplitterung der Bewegung. Andere Strömungen der 60er Jahre fassen auch in Deutschland Fuß: Wohngemeinschaften, progressive "Weiberräte" oder der Siegeszugs der Pille machen die Öffnung und Modernisierung der bis dahin starren, ignoranten Nachkriegsgesellschaft erfahrbar. Dass der neuen SPD-Regierung ab 1969 nicht alle Revoltierenden vertrauen, sondern sich einige zum Kampf in den Untergrund begeben, bildet den Abschluss dieser Dokumentation.